Aortenklappenstenose

Eine Aortenklappenstenose, auch kurz Aortenstenose genannt, ist eine schwere Herzkrankheit. Sie ist die häufigste erworbene Herzklappenerkrankung und betrifft vor allem die ältere Bevölkerung.

Unser Herz besteht aus zwei Vorhöfen, zwei Herzkammern und vier Herzklappen. Alle arbeiten zusammen, um den Körper mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen und uns am Leben zu erhalten. Erfahren Sie hier mehr über den Aufbau des Herzens.

Doch bei vielen Menschen funktioniert diese Zusammenarbeit nicht mehr, weil eine der Herzklappen erkrankt ist. Unter allen Herzklappenerkrankungen gehört die Aortenklappenstenose, auch Aortenstenose genannt, zu den häufigsten. Dabei ist die Aortenklappe, die den Blutstrom vom Herzen in den Körper regelt, verkalkt und verengt.

Im Video erklärt Prof. Hendrik Treede vom Universitätsklinikum Halle, was eine Aortenklappenstenose ist und was die Symptome sind.

Wie eine Aortenklappenstenose entsteht

Typisch für eine Aortenklappenstenose ist eine fortschreitende Verkalkung der Klappentaschen. Durch diese kalkhaltigen Ablagerungen werden die Klappentaschen zunehmend unbeweglicher und versteifen. Die Klappe öffnet sich nicht mehr vollständig. Es kommt zu einer Engstelle (Stenose), oft auch zu einer Undichtigkeit (Insuffizienz) der Klappe. Dies hat zur Folge, dass der Blutfluss von der linken Herzkammer in die Hauptschlagader behindert wird.

Verkalkte Aortenklappe

Für die Betroffenen können die Folgen gravierend werden: Der Körper wird nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, die Leistungsfähigkeit nimmt ab, schon wenige Treppenstufen werden zum unüberwindlichen Hindernis.

Aortenklappenstenose: Symptome

Die Aortenklappenstenose ist eine fortschreitende Erkrankung. Sie kann mit verschiedenen Beschwerden einhergehen. Oftmals sind die Symptome nicht eindeutig oder entwickeln sich erst nach und nach. Die Beschwerden sind auch nicht immer schwer oder sichtbar. – Mit der Folge, dass Anzeichen von den Betroffenen über eine längere Zeit nicht richtig erkannt oder als typische Alterserscheinungen gesehen werden. Viele neigen dann dazu, ihre Lebensweise anzupassen und sich immer weniger zu bewegen.

Zu den häufigen Symptomen einer Aortenklappenstenose zählen:

  • Kurzatmigkeit oder Atemnot (sogenannte Dyspnoe)
  • Schwindel
  • Brust- oder Herzschmerzen
  • Ohnmacht
  • schnelle Ermüdung oder Schwächegefühl
  • größere Schwierigkeiten bei körperlicher Anstrengung
Mann mit Problemen beim Treppesteigen

Nehmen Sie erste mögliche Signale ernst:

  • Fühlen Sie sich in letzter Zeit weniger aktiv oder leistungsfähig als früher?
  • Fällt es Ihnen zum Beispiel schwer, einkaufen zu gehen oder Treppen zu steigen?
  • Sind Sie schneller außer Atem oder fühlen sich bereits nach kleinen Anstrengungen erschöpft?
  • Wird es Ihnen dabei schwindelig?

Dies können, müssen aber nicht unbedingt Hinweise auf eine Aortenstenose sein. Wenn Sie bei sich eines der oben genannten Symptome beobachten, kann es hierfür jedoch verschiedene Ursachen geben. Ebenso kann sich eine Herzklappenverkalkung auch anders oder über lange Zeit gar nicht bemerkbar machen.

Gehen Sie zu Ihrem Arzt und erzählen Sie ihm von Ihren Beschwerden. Nutzen Sie auch Vorsorgeuntersuchungen, um mit Ihrem Arzt über Ihre Herzgesundheit zu sprechen. Eine Aortenklappenstenose kann meistens ganz einfach durch Abhören festgestellt werden, da sie ein charakteristisches Geräusch verursacht. Sprechen Sie daher Ihren Hausarzt auf die Untersuchung mit dem Stethoskop an. Erst der Besuch beim Arzt gibt Ihnen Gewissheit und ist der erste Schritt für eine erfolgreiche Behandlung. Eine unbehandelte, schwere Aortenstenose ist lebensbedrohlich. Sollte es sich herausstellen, dass Sie an einer Aortenstenose leiden und behandelt werden müssen, wird Sie Ihr Arzt zu einem entsprechenden Behandlungszentrum (z.B. Ihre regionale Klinik) überweisen.

Brustschmerzen können ein Symptom für Aortenstenose sein

Ursachen: Angeboren oder erworben?

Grundsätzlich kann eine Aortenklappenerkrankung sowohl angeboren als auch im Laufe des Lebens erworben worden sein.

Bei angeborenen Herzklappenfehlern handelt es sich zum Beispiel um:

  • eine Verengung des Klappenrings
  • eine Verwachsung der Klappentaschen oder
  • eine Herzklappe, die nur mit zwei statt drei Taschen ausgestattet ist.

Ursachen für eine erworbene Aortenstenose können unter anderem ein Verschleißprozess oder, in seltenen Fällen, eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) sein. Der natürliche Verschleiß könnte beispielsweise durch:

  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Fettstoffwechselstörung
  • zu hohe Kalziumkonzentrationen im Blut
  • aber auch durch genetische Faktoren begünstigt werden.

 Wer ist betroffen?

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Aortenklappenstenose zu erkranken, nimmt mit steigendem Alter zu: Laut Schätzungen könnten sogar bis zu 7 Prozent der über 65-Jährigen und 12 Prozent der über 75-Jährigen an einer Aortenklappenstenose leiden. Insgesamt hat die Zahl der Herzklappenerkrankungen in den vergangenen Jahren zugenommen: Dies liegt daran, dass wir immer älter werden und uns heute immer bessere Diagnoseverfahren zur Verfügung stehen.

Diagnose einer Aortenklappenstenose

Bei Patienten ohne Beschwerden wird eine Herzklappenerkrankung meist zufällig während eines Arztbesuchs entdeckt. Bereits die Untersuchung mit dem Stethoskop (Auskultation) liefert Ihrem Arzt eine erste Verdachtsdiagnose, wenn er die für einen Herzklappenfehler typischen Klappengeräusche hört. In diesem Fall wird er mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen und Sie bei Bedarf an einen Kardiologen überweisen.

Durch weitere Untersuchungen kann der Kardiologe die Diagnose festigen:

Mann wird beim Arzt mit dem Stethoskop abgehört

Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie)

Die Diagnose eines Herzklappenfehlers erfolgt heute in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Das Ultraschallgerät nimmt Bilder des schlagenden Herzens auf und ermöglicht einen Einblick in den Blutstrom. Bei einer Aortenstenose können das Ausmaß der Klappenverkalkung, die Klappenöffnungsfläche und der Schweregrad der Verengung festgestellt werden.

Elektrokardiografie (EKG)

Um eine Herzklappenerkrankung abzuklären, wird routinemäßig ein Ruhe-EKG und bei Bedarf auch ein 24-Stunden-Langzeit-EKG eingesetzt. Mit einem EKG wird die elektrische Aktivität des Herzens über Elektroden auf der Haut aufgezeichnet. So lässt sich der Herzrhythmus untersuchen. Bei beschwerdefreien Patienten oder Patienten mit schwach ausgeprägten Symptomen kann zudem ein Belastungs-EKG wichtige Hinweise liefern. Am Fahrradergometer werden der tatsächliche Grad der Leistungseinschränkung, die Herzfrequenz und die Blutdruckreaktion unter Belastung gemessen. Ein Elektrokardiogramm reicht allerdings nicht aus, um eine Aortenstenose zu diagnostizieren, da die Abweichungen auch von einer anderen Herzerkrankung verursacht werden könnten. Weitere Tests werden daher benötigt.

Röntgenuntersuchung der Brust

Eine Röntgenuntersuchung gibt Aufschluss über die Größe und Form des Herzens. Wenn sich das Herz als Folge einer Herzklappenerkrankung vergrößert, verändert sich je nach Art der Erkrankung auch seine Form.

Herzkatheteruntersuchung

Bei einer Herzkatheteruntersuchung wird ein dünner Schlauch in Vene und Arterie eingefügt. Mit diesem Verfahren lassen sich die Funktion und der Zustand des Herzens, der Herzklappen und der Herzkranzgefäße (Koronararterien) näher bestimmen. Zudem lassen sich genauere Aussagen zum Schweregrad der Aortenklappenstenose treffen.

Wird eine Herzklappenoperation  notwendig, so werden insbesondere bei älteren Patienten die Herzkranzgefäße mit Kontrastmitteln auf Engstellen untersucht (Koronarangiografie). Damit kann der Arzt vor dem Eingriff auch überprüfen, ob der Patient zusätzlich zur Aortenstenose nicht an einer Verengung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) leidet.

Behandlung und Arztsuche

Wenn die Aortenklappe stark verkalkt ist, dann muss sie durch eine künstliche Herzklappe ausgetauscht werden. Die gute Nachricht: Patienten mit einer Aortenstenose können ihre Lebensqualität durch einen Austausch der verkalkten Herzklappe vollständig wiedergewinnen.

Es gibt zwei Methoden , die verkalkte Aortenklappe durch eine künstliche Klappe zu ersetzen:

  • die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI). Dabei wird die neue Herzklappe minimalinvasiv über einen Katheter eingesetzt. Lesen Sie hier mehr zu TAVI. 

und

  • den operativen Aortenklappenersatz (AKE). Bei dieser OP wird das Herz stillgelegt und der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Dann wird die künstliche Herzklappe implantiert. Lesen Sie hier mehr zum AKE.

 

Sie haben eine Aortenstenose und fragen sich, wo Sie behandelt werden könnten? Hier finden Sie eine Liste der Herzzentren in Deutschland .

Katheterbasierte Herzklappenimplantation (TAVI)

Mit der minimalinvasiven TAVI-Methode kann eine neue Aortenklappe eingesetzt werden – auch, wenn ein Patient schon älter ist oder ein hohes OP-Risiko besteht. Hier erfahren Sie mehr.

Die TAVI-Methode

Seit fast 60 Jahren werden Patienten mit Aortenklappenstenose operiert, um eine künstliche Herzklappe einzusetzen. Lesen Sie hier alle Infos über Ablauf und Risiken des operativen Aortenklappenersatzes.

Aortenklappenersatz