Patienten mit Herzklappenfehlern erzählen ihre Geschichte

Jedes Jahr erhalten rund 30.000 Menschen in Deutschland eine neue, künstliche Herzklappe. Sie möchten gerne wissen, welche Erfahrungen andere Patienten mit Aortenklappenstenose gemacht haben? Hier erzählen Patienten von ihrem Leben vor und nach dem Herzklappenersatz.

Eduard und Maria Singer: Gemeinsam zur neuen Herzklappe

Seit über einem halben Jahrhundert teilen Eduard und Maria Singer aus Glonn in Oberbayern ihr Leben miteinander. Ende letzten Jahres kam eine neue, außergewöhnliche Erfahrung hinzu. Beide wurden aufgrund der gleichen Erkrankung gemeinsam am selben Tag behandelt. Der Weg zur Diagnose war jedoch ganz verschieden. Maria Singer spürte erst einmal nichts von der Krankheit. Doch Eduard Singer merkte schnell, dass etwas nicht stimmte. Er fühlte sich zunehmend schlapp und schon nach kurzen Strecken blieb ihm die Luft weg.

Die Diagnose

Auf Drängen seiner Frau suchte Eduard Singer seinen Hausarzt auf, der nach dem Abhören des Herzens eine Verdachtsdiagnose stellte: Aortenstenose. Was beide noch nicht wussten: Auch bei ihr lag die Erkrankung bereits vor – allerdings ohne die typischen Symptome.

Hand in Hand in den OP-Saal

Die eigentliche Überraschung bekam das Ehepaar, als die Ärzte mitteilten, den Eingriff bei Ihnen am gleichen Tag vorzunehmen: Beide erhielten im September eine neue Herzklappe. Am Tag der Operation ließ Eduard Singer seiner Frau den Vortritt. Vor den Eingriffen wünschten sie sich viel Glück und schon nach wenigen Stunden kamen sie in das gemeinsame Krankenzimmer zurück. „Alle haben gestaunt und sogar das Krankenhauspersonal war überrascht, ein Ehepaar im Zimmer zu haben“, erzählt Eduard Singer.

 

Gemeinsamer Alltag nach TAVI

Heute können die Singers wieder aktiv und erholt am Alltag teilnehmen. „Wir machen zusammen den Haushalt, kochen miteinander und sogar in unserem Garten können wir wieder gemeinsam arbeiten.“

Eduard und Maria Singer in Trachtenkleidung

Ursula: Wenn schon zwei Treppen zu viel werden

Erste Anzeichen kamen schleichend…

Bei Ursula machen sich die ersten Anzeichen ihrer Aortenklappenstenose schleichend bemerkbar. „Ich bekam langsam immer weniger Luft. Ich konnte mein Haus mit zwei Stockwerken nicht mehr richtig bedienen. Wenn ich in den zweiten Stock ging, musste ich mindestens fünf- bis sechsmal stehen bleiben und nach Luft schnappen.“ Auch die Arbeit in ihrem Garten oder Besorgungen in der Ortschaft fallen ihr zunehmend schwerer. Ursula entscheidet sich dafür, ihre Herzklappe durch eine neue, künstliche ersetzen zu lassen.

Nach dem Eingriff kam die Lebenslust zurück

Die Ärzte raten in ihrem Fall zu einer katheterbasierten Aortenklappenimplantation (TAVI). Von dem Eingriff erholt sich die ehemalige Tierärztin schnell und kann nach sechs Tagen wieder nach Hause. Tag für Tag geht es ihr besser. Heute ist die 85-Jährige wieder in ihrem Garten aktiv. „Vor dem Eingriff hätte ich nie gedacht, dass ich wieder im Garten arbeiten kann. Ich bin wieder lebenslustig und fühle mich rundum wohl.“

Wolf Rüdiger Schwabeland: Ein beklemmendes Gefühl am Herzen

Nur wenige Menschen wagen das Abenteuer, nach der Pensionierung noch ein Studium zu beginnen. Wolf Rüdiger Schwabeland hingegen hat nicht lange gezögert: Die Begeisterung für Steine, Mineralien und ihre Herkunft führten ihn zur Geologie. Neben den Vorlesungen verbrachte er seine Zeit gerne mit Aktivitäten wie der Gartenarbeit und gemeinsamen Wanderausflügen mit seiner Frau.

Ein beklemmendes Gefühl führte zur Diagnose

Doch all das fiel dem fünffachen Großvater zunehmend schwerer. Er war schnell erschöpft und klagte über ein beklemmendes Gefühl in der Brust. Die Diagnose des Kardiologen war eindeutig: Starke Verkalkung der Aortenklappe. Das Herz-Team der Klinik in Bochum entschied sich für einen chirurgischen Klappenersatz und setzte dem damals 73-Jährigen eine biologische Aortenklappe ein.

Zurück zum aktiven Leben

Die Operation verlief sehr gut und gab ihm seine Lebensqualität zurück. Bei der üblichen Untersuchung nach 30 Tagen konnte bestätigt werden, dass die neue Herzklappe komplett eingewachsen war und einwandfrei funktioniert. Wolf Rüdigers Gesundheitszustand verbesserte sich schnell, so dass er bald zu seinem aktiven Leben zurückkehren konnte.

Angela Jaschke: Von der Erkrankung fast nichts bemerkt

Durch Zufall erfährt Angela Jaschke aus Hochheim am Main bei einer Routine-Untersuchung, dass sie an Aortenstenose leidet. Ihre Aortenklappe war sehr stark verkalkt und verengt. Die Diagnose war für die 81-jährige ein Schock, denn sie fühlte sich gesund. Sie geht regelmäßig ins Fitnessstudio und leitet seit über 20 Jahren Wassergymnastik-Gruppen im Tiefwasser. „Über die Diagnose meines Arztes war ich entsetzt und wollte kaum glauben, dass ich krank sein sollte“, erinnert sie sich heute. Die üblichen Symptome wie Brustschmerzen oder Kurzatmigkeit blieben bei ihr aus. Sie hatte nichts von der Erkrankung bemerkt.

Schnelle Behandlung lebenswichtig

Dennoch musste Angela Jaschkes Herzklappe schnellstmöglich ausgetauscht werden. Denn unbehandelt kann eine Aortenstenose im schlimmsten Fall zum Tod führen. Da eine OP am offenen Herzen zu belastend gewesen wäre, setzten ihr die Ärzte eine neue Klappe mit der sogenannten TAVI-Methode ein: Ein schonender Eingriff, bei dem der Brustkorb nicht geöffnet werden muss. Stattdessen wird die künstliche Herzklappe über einen Katheter in das schlagende Herz implantiert.

Nach dem Eingriff

Nach dem Eingriff hatte Angela Jaschke zunächst einen erhöhten Blutdruck. „Der Arzt meinte, das läge daran, dass mein Herz immer noch wie wild pumpte, obwohl dank der neuen Klappe wieder genügend Blut floss“, erinnert sie sich. Nach einigen Wochen hat sich ihr Körper dann auf die neue Situation eingestellt. Heute ist sie wieder so fit wie vor dem Eingriff und voll im Training.

Wasser im Schwimmbad

Gerhard Krebs: Ohne Atem an der frischen Luft

In der Welt zuhause

Früher war Gerhard Krebs aus Hanau viel unterwegs. Als Entwicklungshelfer arbeitete er über 35 Jahre lang in Botswana, Sierra Leone und Pakistan. Er war sehr aktiv: „In jungen Jahren bin ich im Himalaya herumgeklettert, war überall auf der Welt zu Hause. Ich war ein richtiger Naturbursche, frische Luft mein Lebenselixier.“

Auch als Rentner hat er seinen Tatendrang behalten, ging jagen und angeln sowie jeden Tag ausgiebig spazieren. Doch mit der Zeit merkte er, dass seine Spaziergänge immer anstrengender wurden: Ihm blieb buchstäblich die Luft zum Atmen weg. Schon nach kurzen Strecken musste er sich ausruhen.

Gerade noch rechtzeitig konnte bei ihm eine hochgradige Aortenstenose festgestellt werden. Glücklicherweise ist die Erkrankung gut therapierbar, indem die betroffene Herzklappe durch eine Klappenprothese ersetzt wird. Gerhard Krebs entschied sich für den Austausch der Herzklappe mit der TAVI-Methode, da diese für Patienten im fortgeschrittenen Alter ein geringeres Risiko als eine Operation bedeutet. Vor dem TAVI-Eingriff hatte Gerhard Krebs zunächst ein unwohles Gefühl. Das ging jedoch schnell vorbei.

Wieder frei atmen

Heute, einige Wochen nach dem Eingriff, kann Gerhard Krebs wieder tief durchatmen. Der 79-Jährige geht wieder regelmäßig angeln und ist leidenschaftlicher Schütze: „Ich habe ein Stück Lebensqualität zurückbekommen.“

Peter Ilchmann: Herzklappenerkrankung weckt Interesse an Medizin

Peter Ilchmann aus Döbeln ist Leiter einer Hausverwaltung und liebt seinen Beruf, doch gibt es auch stressige Situationen: „2013 war ein besonders anstrengendes Jahr. Durch das Hochwasser wurde vieles beschädigt und es kam eine Menge Arbeit auf mich zu,“ erzählt Herr Ilchmann heute. Stress hat ihm bis dahin noch nie viel anhaben können – als Ausgleich treibt er gerne und viel Sport – doch plötzlich machte sich die Anspannung doch bemerkbar.

Erste Symptome

„Ich bekam Sehstörungen und dachte, das kommt sicherlich von der stressigen Situation. Das war beunruhigend und deshalb bin ich auch direkt zum Arzt. Dass der Auslöser mein Herz ist, hätte ich nicht gedacht“, erinnert er sich.

Aufgeschlagenes Buch, Stift und Brille

Dann der Schock: Kalk hatte sich von seiner Herzklappe gelöst und steckte in einem Gefäß im Auge. So kamen die Sehstörungen zustande. Nach der Diagnose Aortenstenose ging alles ganz schnell: „Ich erinnere mich, wie der Arzt mich darüber informierte, dass ich eine neue Herzklappe brauche. Zeit selbst Informationen zu finden, hatte ich nicht mehr, denn ich sollte schnellstmöglich operiert werde.n. In Absprache mit den behandelnden Ärzten am Herzzentrum Dresden entschied er sich für den Einsatz einer biologischen Herzklappe.

Keine Angst vor der OP

Dem Eingriff selbst blickte er entspannt entgegen. „Es kann immer etwas schiefgehen, deshalb habe ich da nicht weiter drüber nachgedacht“, erklärt er. Seine Operation verlief ohne Probleme und sein Zustand verbesserte sich hinterher schnell. So kann Herr Ilchmann heute wieder Sport treiben und hält sich fit. Viele Patienten informieren sich vor dem Eingriff mit der Operation, doch bei ihm weckte die Erfahrung eher nachträglich großes Interesse: „Das Thema fasziniert mich und seitdem beschäftige ich mich mit der neusten medizinischen Entwicklung “, berichtet er.

Thea Ludwig: Eine einzigartige Geschichte

Während einer Untersuchung machte Thea Ludwigs Arzt eine beunruhigende Entdeckung: Einen Tumor an der Aortenklappe.  Diese Herzklappe regelt den Blutstrom von der linken Herzkammer in den Körper und konnte durch den Tumor nicht mehr richtig arbeiten. „Auf dem Bildschirm konnte ich sehen, wie der kleine Tumor an der Herzklappe hing. Es sah fast schon komisch aus“, erinnert sich die Dresdnerin.

Die Ärzte rieten ihr, den Tumor sofort entfernen zu lassen. Im gleichen Zug musste die betroffene Herzklappe durch ein Implantat ersetzt werden. Für den Eingriff wurde die chirurgische Methode für den Aortenklappenersatz gewählt.

Ein mulmiges Gefühl

„Ich bin kein ängstlicher Mensch“, erklärt sie, „doch vor der Operation hatte ich dann schon ein mulmiges Gefühl. Das ging aber schnell wieder vorbei“, sagt sie heute. Nach der OP fragte sie sich, warum der Schnitt auf der rechten Seite ihrer Brust gemacht wurde: „Liegt mein Herz etwa rechts?“ Die Ärzte erklärten ihr, dass bei ihr eine weniger invasive OP-Methode gewählt wurde, bei der auf der rechten Seite geschnitten wird. Die Operation hat Thea Ludwig gut überstanden und auch der Genesungsprozess schritt schnell voran, sodass sie heute wieder ihrem Alltag nachgehen kann und keinerlei Probleme mehr hat.

Wolfgang Winter: Ein langer Weg zur neuen Herzklappe

Wolfgang Winter aus Riesa treibt gerne Sport und geht regelmäßig ins Fitnessstudio. „Doch anstatt dass meine Kondition sich durch regelmäßigen Sport verbesserte, kam ich immer schneller aus der Puste“, erzählt der 71-jährige heute. Als er sich mit seinen Beschwerden an den Hausarzt wendet, wird er zunächst mit dem Stethoskop abgehört. Beim Kardiologen wurde dann eine Aortenklappenstenose diagnostiziert. Noch war die Krankheit nicht weit fortgeschritten, Daher entschied man sich dazu, die Erkrankung zunächst nur zu beobachten.

Nach Jahren wurde es ernst

Im Jahr 2015 wurde es dann ernst: „Nachts wurde mir plötzlich schlecht, ich hatte Schweißausbrüche und mir war schwindlig. Als ich das meinem Arzt erzählte, meinte er, dass es sich dabei um eine Herzattacke gehandelt haben könnte.“, erinnert er sich.  Jetzt musste die Erkrankung dringend behandelt werden. Während des Vorgespräches in der Herzklinik fragte Wolfgang Winter genau nach den Vor- und Nachteilen verschiedener Behandlungsmethoden, auch von TAVI. Diese Methode wird häufig bei Risikopatienten in einem höheren Alter angewandt.

Dank seiner guten Gesundheit war Wolfgang Winter jedoch auch für eine OP am offenen Herzen geeignet. „Da hat der Sport dann doch etwas gebracht“, meint er lachend.

Er entschied sich für die OP. „Ich hätte gerne gewartet, bis TAVI für mich in Frage kommt, aber meine Frau hat mich überzeugt, nicht mehr länger zu warten“.

Genesung kann ein wenig dauern

Nach dem minimalinvasiven Einsatz einer biologischen Herzklappe geht es ihm nun wieder fast so gut wie vor der Erkrankung. „Ich bin wirklich froh, dass ich den Eingriff habe machen lassen. Vielleicht bin ich nur etwas ungeduldig, denn ich habe im Internet gelesen, dass es bei vielen Patienten eine Weile dauert, bis man sich wieder so wie früher fühlt“, so Wolfgang Winter. Anderen Patient rät er, sich vor der Entscheidung für eine Behandlungsmethode mehrere Expertenmeinungen einzuholen: „Wenn dir mehrere Ärzte das Gleiche raten, dann lass es machen.“

Stethoskop

Maria: Der Motor muss funktionieren

Maria aus Hattingen bei Essen ist auch mit ihren 77 Jahren noch kein Stubenhocker. Als junge Frau lebte sie in der Schweiz. Seitdem kommt sie immer wieder dorthin zurück, um zu wandern und die Berge zu genießen. Zu Hause im Ruhrgebiet verbringt sie gerne Zeit mit ihren vier Enkelkindern: „Die halten mich ganz schön auf Trab!“, erklärt sie. Mit ihrem Mann geht die Rentnerin gerne schwimmen oder im Wald spazieren.

Doch eine Sache belastete Maria in den letzten Jahren immer mehr: Beim Laufen oder größeren Bewegungen bekam sie sehr schlecht Luft und fühlte sich schnell schlapp. Zunächst schob sie die Beschwerden auf das Naheliegende: „Als ich immer öfter eine Pause benötigte, habe ich das alles mit dem Alter abgetan.“

Diagnose durch Zufall

Doch bei Maria war, wie bei vielen anderen Senioren, nicht das Alter der Grund für die Beschwerden: Über einen Nachbarn, der selbst am Herzen operiert wurde, erfuhr sie zufällig, dass Luftnot und Kurzatmigkeit auch Anzeichen für Herzprobleme sein können. Daraufhin ging sie zum Arzt.

Das Ergebnis der Untersuchung: Maria litt an einer Aortenklappenstenose. Das bedeutet, dass ihre Herzklappe stark verkalkt und verengt war und dadurch nicht genügend sauerstoffreiches Blut in den Körper gelangte. „Da ging nicht mehr viel durch“, erinnert sich die Rentnerin. Ihr Arzt riet deshalb dringend dazu, die Herzklappe auszutauschen.

TAVI bietet schonenden Eingriff

„Da ich schon einige Operationen hinter mir hatte, wollte ich bei meinem Herzen einen möglichst schonenden Eingriff“, erklärt Maria. Ihr Arzt empfahl ihr daher die Operation mit der minimal-invasiven Methode TAVI. Dabei wird die künstliche Herzklappe über einen Katheter durch die Leiste in das schlagende Herz eingesetzt. Nach dem Eingriff fühlt sich die 77-jährige deutlich besser: „Vor allem beim Laufen habe ich gemerkt, dass ich viel mehr Luft als vorher bekomme.“ Maria rät deshalb bei Luftnot, unbedingt zur Vorsorgeuntersuchung zum Arzt zu gehen und das Herz kontrollieren zu lassen. Wird eine Herzklappenerkrankung frühzeitig erkannt, kann sie gut behandelt werden. Die Rentnerin ist froh, dass sie zum Arzt gegangen ist: „Das Herz ist unser Motor und der muss funktionieren.“